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Die Geschichte vom Spargeltarzan

 

 

Teil I

Vor einigen Jahren erhielt der Schlosspark eine seltsame Lieferung. In einem großen Paket ohne Absender fand sich ein kleiner Baum. Da es ein schöner Baum war und man noch keinen Baum dieser Sorte im Schlosspark hatte, pflanzte man ihn unweit der Orangerie ein und übersah dabei ganz die kleine Frucht, die sich zwischen dem dichten Blätterwerk versteckte.
Mit den Jahren wuchs der Baum und auch die Frucht wurde immer größer und schwerer, bis sie eines Nachts herunterfiel. Sie zersprang in tausend Stücke und zwischen den kleinen Fruchtstücken lag: Der Spargeltarzan!
Ein Pfauenpaar kam näher, um sich den Spargeltarzan anzusehen. "Wie geht's?" fragte dieser und tat so, als gäbe es an der ganzen Situation nichts Sonderbares. Die Pfaue zuckten zunächst ein wenig zurück, doch kamen, neugierig wie Pfauen nun mal sind, wieder etwas näher. "Bist du ein Gespenst?" fragte die Pfauendame. Der Spargeltarzan lachte. "Gespenst, Popenst!" rief er aus, "Wo denkst du hin? Es gibt keine Gespenster!" Der Pfauenherr schnaubte spöttisch auf. "Sehr wohl", sagte er, "Ganz tief im Schlosspark, wo es am Dunkelsten ist, da gibt es ein Gespenst!" "So, so", erwiderte der Spargeltarzan, während er sich aufrichtete und sich Reste der Fruchtstückchen von den Beinen klopfte, "Dann werde ich mir dieses Gespenst einmal ansehen!"

Teil II

Vorsichtig, so dass ihn niemand sah, machte sich der Spargeltarzan auf den Weg. Er schlich um den Tempel des Apolls herum, durchschwamm den Apollokanal und spazierte wachsam um den großen See herum, wobei er kritisch Gebüsche und Geäst nach möglichen Gespenstern durchsuchte. Doch erst als er schon fast am Merkurtempel angekommen war, erregte ein Rascheln im Unterholz seine Aufmerksamkeit. Der Spargeltarzan trat etwas näher heran, woraufhin das Rascheln lauter, bedrohlicher wurde, ja man glaubt sogar unheimliche „Buhu“-Rufe zu hören. Nun wäre ein anderer wohl mit schlotternden Knien davon gelaufen, nicht aber unser Spargeltarzan. Wenn jemand jahrelang, öde in einer Baumfrucht hocken muss, dann rennt er doch nicht davon, wenn endlich einmal etwas Spannendes passiert. „Komm heraus!“ rief er, „Du bist bestimmt kein Gespenst!“ Das Rascheln verstummte augenblicklich und nach kurzem Zögern trat etwas aus dem Unterholz hervor. Der Spargeltarzan staunte nicht schlecht, als ein etwas zerrupft aussehender Pfau vor ihm stand. „Aber was machst du denn hier im Gehölz?“ fragte er ihn, „Warum bist du nicht bei den anderen Pfauen?“ Der Pfau, der tatsächlich kein Gespenst war, sah ihn mit traurigen Augen an. „Dort ärgert man mich“, sagte er betrübt, „Immerzu haben sie mich geärgert… Weil ich nicht so schön bin wie sie!“ „Und vom Herumspuken in Gebüschen wird man schöner, glaubst du?" „Nein! Aber im Moscheegarten soll ein Buch versteckt liegen, in dem sind die drei Schritte zur Schönheit beschrieben!“ sagte der Pfau mit nun leuchtenden Augen. „Na, worauf wartest du dann?“ Da wich wieder alle Fröhlichkeit aus dem Pfauengesicht. „Ich kann nicht lesen“, sagte er verschämt. „Aber ich!“ rief der Spargeltarzan, „Was glaubst du wohl womit ich mir all die Jahre in der Baumfrucht die Zeit vertrieben habe?“ „Ich weiß zwar nicht von welcher Frucht du sprichst, doch bin ich für jede Hilfe dankbar“. Und so machten sich die beiden auf den Weg.

Nach nur wenigen Schritten erreichten der Pfau und der Spargeltarzan die Moschee im Schwetzinger Schlossgarten. Fluchs führte der zerrupfte Pfau seinen neuen Freund über Mauern und Treppen hinweg in eine Ecke des Moscheegartens, die kaum einsehbar war. Unter einem Strauch zog der Pfau ein sehr altes Buch hervor. Der Spargeltarzan nahm es in die Hand und strich vorsichtig über das Cover. So etwas Schönes hatte er noch nicht gesehen. Das Buchcover war orangefarben. Von untern links zog sich ein dunkelgrün-brauner Baum über den rechten Rand nach oben. Im Baum saß ein blauer Pfau, dessen prächtiger blau-gelber Federschwanz sich über den linken Rand nach unten schwang. Unter dem Bild stand „Le livre de la beauté“. „Oh oh“, dachte sich der Spargeltarzan. Ihm schwante nichts Gutes. Hastig öffnete er das Buch und fand seine Befürchtung bestätigt: das Buch war in französischer Sprache geschrieben! Er konnte zwar lesen, aber Französisch konnte er nicht. Ein Blick in die hoffnungsvollen Augen des Pfaus ließ ihn einen Entschluss fassen. Wieder blätterte er in dem Buch, stoppte auf einer beliebigen Seite, räusperte sich und verkündete laut und so als ob er vorlesen würde: „Zur Schönheit in drei Schritten!“ Er stockte kurz, dann fuhr er im Brustton der Überzeugung fort: „Erster Schritt: Speise in einem Speisehaus, das aussieht wie ein Buch!“ Da begannen die Augen des Pfaus zu leuchten! Aufgeregt schlug er mit seinen Flügeln. „Ich weiß wo das ist!“ rief er fröhlich. Der Spargeltarzan lächelte, schlug das Buch zu und klemmte es sich unter den Arm. „Nun gut“, sagte er, „Dann führ' mich dort hin!“ Und so machten sich die beiden erneut auf den Weg.

Teil IV

Nun mussten der zerrupfte Pfau und der Spargeltarzan doch ganz schön weit gehen, bis sie vor der Mensa des Hebelgymnasiums standen. Und tatsächlich: das Gebäude sah genauso aus, wie ein Buch. Nach dem weiten Weg waren unsere beiden Freunde auch gehörig hungrig, so dass sie im Null-Komma-Nix den ersten Schritt zur Schönheit erledigt hatten. Mit vollen Bäuchen saßen sie kurze Zeit später wieder vor der Mensa. “Und wie lautet der zweite Schritt?” fragte der Pfau. Der Spargeltarzan schlug das Buch wieder auf. Er hatte ein bisschen im Stillen gehofft, das Buch hätte sich heimlich selbst übersetzt, aber nein, es war immer noch französisch; es hätte ebenso gut chinesisch sein können. Also würde er wohl weiter flunkern müssen. “Zweiter Schritt: Küsse den gusseisernen Spargel!” “Igitt!”, entfuhr es dem Pfau und er schüttelte sich. “Ich soll die Spargelfrau-Statue am Schlossplatz küssen?” Der Spargeltarzan sah, wie zur Kontrolle, noch einmal in das Buch. “Nur den Spargel. Nicht die Frau”, sagte er. “Nun gut”, seufzte der Pfau, “Was man nicht alles für die Schönheit tut”. Und so machten sich die beiden auf den Weg zum Schlossplatz.
“Guckt auch wirklich keiner?” fragte der Pfau zum 157. Mal. Sie waren schon eine halbe Ewigkeit auf dem Schlossplatz um die Statue geschlichen, aber der Pfau hatte sich furchtbar geniert und sich einfach noch nicht getraut die Statue zu küssen. Ein bisschen kann man das wohl verstehen, besonders hygienisch kann das nicht sein. “Es guckt keiner, nun mach schon”, drängelte der Spargeltarzan, der sich das Ganze irgendwie lustiger vorgestellt hatte. Verstohlen blickte sich der Pfau noch einmal um, dann schnellte er vor und küsste den Spargel - dreimal - um ganz sicher zu gehen. “Pfui, pfui, pfui”, der Pfau verzog das Gesicht, “Jetzt möchte ich unbedingt baden!” “Das trifft sich aber gut!” sagte der Spargeltarzan, der sich ein bisschen für seinen Streich schämte, “Denn der nächste Schritt lautet:” - er schlug das Buch auf - “Bade im Brunnen des Gänsehirten!” “Da haben wir es ja nicht mehr weit”, wusste der Pfau, “Der Brunnen ist vor dem Rathaus”. Also gingen der Spargeltarzan und der Pfau, der sich immer noch schütteln musste, zu ihrer letzten Station auf dem etwas holprigen Weg zur Schönheit.

Teil V

Plitsch - platsch - plitsch! Der Pfau badete so ausgiebig in dem kleinen, kreisrunden Brunnen, dass die Statuen des Gänsehirten und seiner Gänse nach kurzer Zeit pitschnass waren. Auch der Spargeltarzan, der neben dem Brunnen wartete, sah bald so aus, als habe er selbst gebadet. “Da kann ich es ja auch gleich machen!” stellte er fest und sprang mit Schwung in den Brunnen. Die beiden Freunde quietschten vor Vergnügen. Sie spritzen und planschten, lachten und lachten. Da hätten die Menschen etwas zu sehen gehabt - wenn sie denn nur hingesehen hätten, aber sie hatten es ja mal wieder so eilig. Nach dem Bad standen die beiden schließlich neben dem Brunnen. “Und”, fragte der Pfau, “Wie sehe ich aus?” Der Spargeltarzan musterte ihn von unten bis oben. “Nass”, sagte er. “Schön nass?” fragte der Pfau, der ja gerade den letzten der drei Schritte zur Schönheit vollendet hatte. Der Spargeltarzan hatte vor lauter Freude am Baden, die Sache mit der Schönheit ganz vergessen. Er nickte nur zustimmend und sagte: “Ganz schön nass”. Da strahlte der Pfau übers ganze Gesicht. Endlich musste er sich nicht mehr schämen! Endlich konnte er wieder mit den anderen Pfauen zusammen sein ohne, dass sie sich über ihn lustig machten! “Dann lass uns zurück in den Schlossgarten gehen”, sagte er mit ernster Stimme und schritt los, wie ein König. Der Spargeltarzan schüttelte die letzten Wassertropfen aus seinem Haar und wollte dem Pfau gerade folgen, als sein Blick auf das Buch fiel. “Ach stimmt ja!” fiel ihm alles wieder ein, “Die Sache mit der Schönheit...” Er sah sich nach dem Pfau um. Irgendwie sah der tatsächlich anders aus, als zu Beginn ihres Ausflugs. Er ging aufrechter. Durch die gerade Körperhaltung fielen seine Federn viel schöner, so dass er überhaupt nicht mehr gerupft aussah. Auch sein kleines Krönchen saß nun stolz hoch oben auf seinem Kopf. Schließlich aber schien der Pfau von innen heraus zu strahlen, so glücklich war er. “Nun ja, eine gute Mahlzeit, etwas Spaß und hin und wieder ein ausgiebiges Bad können wohl nicht schaden, wenn man schön sein möchte”, schlussfolgerte der Spargeltarzan und folgte seinem Freund. Der Pfau hingegen war tatsächlich sehr glücklich. Stolz schritt er in Richtung der Orangerie. Und während er so stolz, selbstbewusst und glücklich schritt, schlugen sich seine Schwanz-federn, ganz von alleine, zu einem großen Rad auf.
Auf dem Platz, an dem sich jeden Abend die Pfaue des Schlossgartens versammeln, herrschte geschäftiges Treiben. Jeder wollte jeden begrüßen. Der neueste Tratsch wollte ausgetauscht werden. Doch plötzlich verstummten sie alle. Um die Ecke kam ein Pfau, den sie lange nicht mehr gesehen hatten. Er schien regelrecht zu glänzen und strotze nur so vor Selbstbewusstsein. In seinem Federrad spiegelte sich das rote Licht der untergehenden Sonne. “Wow”, flüsterte ein junges Pfauen-mädchen, “Das ist der schönste Pfau, den ich jemals gesehen habe”.

ENDE

 

 

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